DER MANN In der PASEO DEL PRADO

Am Abend erzahlte ich Georg yon meiner Bekanntschaft mit Juan.
Georg schien mil etwas eifersiichtig, deshalb erwahnte ich nichts
yon den zwei Kiissen (dos besos), die er mir mit kiihlen Lippen auf
die Wangen gedriickt hatte.
Wie uhlich hatte ich einen langen Tag vor mir. Moge niemand Neid
empfinden, wenD ich sage, daB ich sehr viel Zeit babe, obwohl aIle
Menschen pro Tag ausnahmslos 24 Stunden zu ihrer Verfligung haben.
Fur mich ist ein Tag mehr als die Zeit yon Sonnenaufgang his Son-
nenuntergang. An jenem Morgen schlief floch, als ich einen warmen
KuB auf meiner Stirn flihlte. "Bis dann, Liebes," flusterte Georg,
mein Mann. Der Duft seines Aftershaves Emporio yon Armani und
das Rascheln seines Anzuges sind an jedem Morgen die ersten Ein-
driicke, die meine flinf Sinne wahmehmen, gefolgt yon dem Ge-
~ Tausch seiner Schritte beim Verlassen des Hauses und des sich
., entfernenden Autos.
Danach gehort der ganze Tag mir allein. Ja, mir allein. Ich bin 45
Jahre alt, Georg ebenso. WiT sind seit 15 Jahren verheiratet und
haben keine Kinder. Erstaunlicherweise sind wiT wegen der Kinder-
losigkeit weder traurig noch vermissen WiT etwas. Vielleicht,
weil WiT sehr individualistisch sind. Georg ist auBerst engagiert
in seinem Job, und ich genieBe jeden einzelnen langen Tag, wenn-
gleich ich gelegentlich schon etwas Langeweile empfinde. Und
obwohl die Stadt Madrid an jedem Tag ab dem friihen Morgen
voller Leben ist, die StraBen voller Fahrzeuge und die Gehwege
voller Menschen sind, die ihrem Arbeitsplatz zustreben, die ToteD
Busse mit Fahrgasten uberfiillt, und die Untergrundbahnen, die
bier Metro heiBen, die Passagiere in ihrer Buro- oder sonsti-
gen Arbeitskleidung in aIle Richtungen Tasch an ihren Arbeits-
platz bringen, ist mein Tag vollig ohne Hektik.
-Erst um 10.00 Uhr klingelt mein Wecker. Ich stehe auf und bereite
.~ heiBes Wasser flir einen Milchkaffee. Dann setze ich mich auf die
Couch im Wohnzimmer und sehe aus dem breiten Fenster auf die
geschaftige Stadt Madrid hinunter. Zwei Stunden spater gehe ich
duschen, dann vergewissere ich mich, ob in der Wohnung alles in
Ordnung ist oder ich irgenwo Hand anlegen muBte. Alfdann nehme
ich meine allmglich Betriebsamkeit auf: beim Spazierengehen
die Stadt genieBen. Die einzige Beschaftigung, die mich nicht
langweilt, sind Museumsbesuche. Ich gehe die schattige Paseo del
Prado entlang, genieBe den Anblick der Springbrunnen im Park,
die weiBgrauen Statuen oder sitze einfach nUT auf einer der Holz-
banke und schaue den StraBenmalern zu' die ihre Werke verkaufen.
Gemalde sind unsere groBte Leidenschaft. Ich gehore zu den stan-
digen Besuchem des Museum del Prado und des Museum Reina Sofia
in Madrid. Beide beherbergen unterschiedliche Kollektionen, sind
abeT gleichermaBen wichtig rur das chronologische Verstandnis
der Kunstgeschichte.
Der Prado ist mehr auf klassische Gemalde ausgerichtet und den
Stil der Realisten, wie ihn die Werke van Goya oder Velazquez
verkorpem, wohingegen die Kollektion des Reina Sofia-Museums
die Modeme beherbergt, angefangen van der Ara Picassos bis zur
Pop-Art eines Andy Warhol. Da beide Museen einander gegeniiber
liegen, setze ich mich meist in das zwischen beiden liegende Cafe
und genieBe ein Stiick Apfelkuchen mit einer Tasse Cafe con leche,
lese in einem Buch oder einer Zeitschrift und iiberlege dabei, rur
.welches der beiden Museum ich mich an dem jeweiligen Tag ent-
scheide.
Es stimmt, meine Tage bestehen aus unendlich viel Zeit und sind
ohne jede Hektik, was andere Leute moglicherweise mit Neid er-
rullt. Gliicklicherweise ist dies bei Georg nicht der Fall, obwohl
die ihm zur Verrugung stehende Zeit weitaus bemessener ist als
meine, denn er ist an sein Biiro gebunden. In der Mittagspause
TUft er mich gewohnlich an.
"Hallo, Liebes, was machst du gerade?"
Und ich antworte so unbeschwert als moglich: "Heute babe ich mich
rur die Werke van Alexander Cadler im Reina Sofia-Museum entschie-
den" oder "heute bleibe ich einfach zu Hause und probiere ein neues
Rezept aus."
Und Georg lacht und antwortet:"Gut, das freut mich zu horen, roach
8 dir einen schonen Tag." So reagiert er zu meiner Freude immer.
Am Nachmittag TUft er emeut an:"Liebes, ich bin in 15 Minuten zu
Hause. Kochst du rom Abendessen oder essen WiT auswarts?"
Manchmal frage ich dann:"Was wiinschst du dir denn?"
"Natiirlich ist dein Essen immer lecker, abeT wenn du beschaf-
tigt bist oder keine Lust rom Kochen hast, essen WiT im Restaurant.
"Ich und beschaftigt?" Da kann ich nUT lacheln. Manchmal babe
ich in der Tat viel zu tun, indem ich am gleichen Tag van einer
Kunstausstellung zur nachsten gehe. Ich genieBe die Farblinien
auf der Leinwand, die sich van Kiinstler zu Kiinstler unterscheiden.
Oder ich lade ein paar Bekannte rom Mittagessen ein und WiT reden
fiber Kunstausstellungen. Aber beschaftigt sein ist bei mir nicht
das gleiche wie bei Georg. Mein Beschaftigtsein liegt mehr darin,
meine langen Tage auszurullen mit Aktivitiiten, die ich mir selbst
suche.
Wie an diesem Tag, wo das Wetter schon G't, weil die Sonne hell
scheiDt. Ich sitze auf der Couch im Wo~mmer und walze Zeit-
schriften des Touristeninformationsamtes ~ bin und her, urn
etwas zu tindell, womit ich den Tag ausrullen kann. Da ist etwas!
Eine Ausstellung zeitgenossischer Gemalde des spanischen MaIers
Javier Menendez im Thyssen-Bomemisza-Museum. Ich beschlieBe,
Monika, meine Nachbarin, zu fragen, ob sie mit in die Ausstellung
kommt, obwohl es meist darauf hinauslauft, daB ich doch allein
'8 gehe.
Ich rufe Monika an, sie hat ihr Kind gerade in der Schule abgesetzt
und ist jetzt auf dem Weg rom Supermarkt. "Ich komme abeT mit,"
sagt Monika mit hektischer Stimme, weil sie unterwegs ist. "War-
test du auf mich auf eiDer Bank in der Paseo del Prado, wie tiblich?"
Die Paseo del Prado kann man als schonste StraBe der Stadt be-
zeichnen. Rechts und links befinden sich die Fahrbahnen fUr den
motorisierten Verkehr, der Mittelstreifen ist speziell fUr FuBganger
reserviert. 1m Friihling und Sommer finden oft Kunstausstellungen
mit weiBen Pavillions entlang der Paseo del Prado statt. Ich setze
mich auf meine Lieblingsbank vor dem Prado, wahrend ich die
Strahlen der Sonne genieBe und auf Monika warte. Es vergehen
zehn Minuten, zwanzig Minuten, abeT sie taucht nicht auf. Der
juDge Mann, der auf eiDer Bank in meiner Nahe sitzt, lachelt mich
an, als ob er meine Unruhe ahnt.
8 Kurz darauf klingelt das Telefon. Es ist Monika. "Santi, entschul-
dige, mein jtingstes Kind hat plotzlich Fieber bekommen, ich muB
sofort rom Arzt mit ihm. Warte nicht auf mich, WiT gehen ein an-
dermal zusammen, ja?"
"Na gut, Moni, heute ist der lezte Tag der Menendez-Ausstellung,
abeT macht nichts, ich gehe dann eben allein." Was soIl man ma-
chen, natiirlich kann ich nicht bose sein, obwohl ich enttiiuscht bin.
"Ftir die Javier Menendez-Ausstellung bleibt noch genug Zeit,"
sagt der juDge Mann, der mich schon eine Zeitlang beobachtet und
lachelt. Offenbar hat er mein Gesprach mit Monika mitgehort.
"Die Ausstellung ist urn eine Woche verlangert."
"Tatsachlich?" frage ich erstaunt. "Eigentlich kenne ich Javier
Menendez gar nicht."
"Ein junger zeigenossischer Maler, ein sehr bekannter Name in
Barcelona."
"Was malt er denn?" Langsam Wild mein Interesse geweckt.
"Er bevorzugt dunkle und diistere ., wie rum Beispiel Mord,
Selbstmord, Kriegsopfer, unerrullte Liebe ..."
"Ich beiGe Santi," stelle ich mich VOl. "Sie verstehen offenbar
eine Menge yon Kunst."
8"Don Juan del Alcala" erwidert del junge Mann lachelnd. "Ich
weiB nUl wenig fiber Menendez, ich mag ihn nicht, und mein Hund
mag ihn auch nicht."
Da erst weIde ich gewahr, daB er einen kleinen ~iftesefl mit
weiBem Fell bei sich hat. Der Hund ist hiibsch, denke ich, er sitzt
artig an Juans Seite, seine Augen sind hellgriin, aber sein Blick
erscheint ausdruckslos. Wedel knum noch bellt er. Juan selbst
ist ein gut aussehender junger Mann, vielleicht zehn Jahre jiinger
als ich, mit dunkelbrauner Haut, sein dichtes schwarzes Haar,
das er ziemlich lang tragt, ist hinten zusammengebunden. Er ist
sehr groG und schlank und tragt ein weiBes Seidenhemd und eine
schwarze Hose, die beide aussehen, als seien sie teuer gewesen,
und eigentlich ist seine Kleidung im Vergleich zu del del anderen
Leute, die im Park sitzen und zumeist im Freizeitlook gekleidet
sind, nicht recht passend rur diesen Oft. Juan laBt mich wissen,
daB er Informationsmaterial fiber Javier Menendez und andere
spanische Maler besitzt, und wir vereinbaren, uns am nachsten
8 Tag am gleichen Oft wiederzutreffen. Ich denke bei mil, daB rur
die Ausstellung immer noch Zeit bleibt und ich warten weIde,
his Monika Zeit hat, mich zu begleiten.
Am nachsten Tag bringt mil Juan die Biicher, die er mil verspro-
chen hat, auch etwas fiber Javier Menendez.
"Seine Leidenschaft sind beriihmte Maler wie Picasso oder Salva-
dor Dali, aber er ahmt ihren Stil nicht nach," erlautert Juan. "Zu-
guterletzt hat sich Menendez rur den Realismus entschieden, seine
Gemalde unterscheiden sich nicht yon den klassischen Werken,
die man im Museum del Prado sehen kann. Der Unterschied be-
steht lediglich darin, daB er die yon ihm gemalten Objekte am
Ende mit roten Linien, die den Tod verkorpem, versieht. Er ver-
sprilht die Farbe vorsichtig und hochst vollendet auf die Lein-
wand mit den realistischen Werken ...sein Mut, die yon ihm
geschaffenen Gemalde "zu zerstoren", indem er sie mit roter
Farbe, die Blut darstellen sollen, besprilht, haben ihn berilhmt
gernacht, er hat es geschaffi, eine Brilcke zwischen Klassik und
Modeme in der Malerei zu bauen..."
"Und warurn mogen Sie ihn nicht?" frage ich "und wie kommt es,
daB sogar Ihr Hund eine Aversion gegen ihn hat?"
Juan lacht fiber meine provokatorische Frage. "Mein Hund ist ein
stilles Wesen, aber wenD er Gemalde yon Menendez sieht, wird er
8 unruhig."
Natiirlich beginne ich, rur den weiBen Pekinesen, der niemals bellt,
Sympathie zu empfinden. Ais wir uns verabschieden, kiiBt mich
Juan, der Gewohnheit der Spanier folgend, auf beide Wangen, ich
bekomme dos besos, zwei Kiisse. Seine Lippen sind kiihl, und ich
bemerke, wie der Hund uns lautlos mit Neugier betrachtet. Am
Abend erziihle ich Georg yon meiner Bekanntschaft mit Juan.
Georg scheiDt mir etwas eifersiichtig, deshalb behalte ich die
Sache mit den dos besos, die Juan mit kiihlen Lippen auf meine
Wangen gedrilckt hat, lieber rur mich.
"Vielleicht babe ich zuwenig Zeit, urn mit Dir etwas gemeinsam zu
untemehmen, vielleicht sollte ich Urlaub nehmen und dann ver-
reisen wir beide," sagt Georg vor dem Schlafengehen.
"Wir machen Urlaub, wenD ~ Du es rur notig haIst," sage ich,
"Du sollst nicht extra wegen mir frei nehmen. Ich kann doch die
8 Tage bier genieBen..."
Wahrend ich darauf warte, daB Monika Zeit findet, gehe ich weiter
meiner Gewohnheit nach, auf der Paseo del Prado zu promenieren
und auf eiDer Bank im Park zu sitzen. Aber seit dem Zusammentref-
fen mit Juan ist mir auch bewuBt geworden, daB er die gleichen Ge-
wohnheiten hat, so daB wir uns unweigerlich immer wieder treffen.
Juan mit dem weiBen Seidenhemd und der schwarzen Hose sowie
stets glanzenden schwarzen Schuhen und dem stilleD weiBen Hund
mit griinen Augen. Juan erziihlt, er arbeite ich Thyssen-Bomemisza-
Museum, deshalb halte er sich immer in der Umgebung des Museums
auf. Ich babe noch Die einen Museumsangestellen gesehen, der wie
Juan gekleidet ist, vielleicht hat er eine leitende Stellung inne,
denke ich bei mir. Beim darauffolgenden Treffen nimmt unsere
Unterhaltung an Intensitat zu, WiT diskutieren insbesondere fiber
die spanische Malerei, die ich sehr interessant finde. Das gutaus-
sehende und junge Gesicht von Juan finde ich auBerordentlich
anziehend, und ich glaube, er hat nichts dagegen, obwohl ich be-
trachtlich alter bin als er. Zwei Tage vor dem Ende der Javier
Menendez-Ausstellung hat Monika immer noch keine Zeit, mich
dorthin zu begleiten und Georg ist his rom Freitag eingespannt
mit Marathonsitzungen in seinem Btiro. "Wir besuchen die Ausstel-
lung am Sonntag, Liebes," verspricht mir Georg. Aber die Schau
schlieBt am Freitag nachmittag.
Am Donnerstag morgen finde ich Juan unruhig und mit zusammen-
gepreBten Handen auf der Parkbank. Als er mich sieht, hellt sich
8 seine Miene etwas auf.
"Hier bin ich," TUft er. "ich waIte schon eine ganze Weile auf
Sie!"
"Was ist denn passiert?" frage ich, nachdem er mich auf die
Wangen gektiBt hat.
"Ich glaube, ich muB weggehen von bier, ich ruble mich oft so
unruhig..."
Ich verstehe nicht, was er meint, abeT ich sptire seine tiefe Trau-
rigkeit und sette mich neben ihn. "Sie wollen also Ihren Job auf-
geben..."
Es gibt Dinge bier, die mich beunruhigen," sagt er, "ich ruble
mich oft bedroht. Jemand will mich entfiihren, mich physisch ver-
letzten und ...sogar umbringen."
"Juan!" ich bemtihe mich krampfhaft, nicht zu lac hen. Dieser junge
Mann hat offenbar erne bltihende Phantasie. Aber er scheint es
vollkommen emst zu meinen, und der stille Hund schaut ihn eben-
falls mit emster Miene und bewegungslos an.
"Ich heiBe Don Juan del Alcala, nicht einfach nUT Juan", sagt er
mit matter Stimme.
Ich schlucke. "Sie sind adliger Abstammung oder so ahnlich?"
Er nickt und schaut mich mit durchdringendem Blick an. "Jemand
will mich entruhren und mich verletzen ...ich babe so etwas schon
einmal erlebt, abeT diesmal ist diesel jemand weitaus gefahrlicher.
Ich muB aus diesel Stadt verschwinden."
Mir fehlen die Worte und ich weiB nicht, ob ich Juan glauben solI,
was er erzahlt oder nicht. Er nimmt meine Hand, offnet sie -sie
zittert dUTCh die Beriihrung -und legt sie auf seine breite Brust.
Wortlos offnet er die Knopfe seines weiBen Seidenhemdes, driickt
meine Handflache auf seinen nackten Korper und ich sehe eine
lange rote Wunde, die noch frisch ist. Schnell ziehe ich meine
Hand yon seiner Brust zuriick und stelle erschrocken fest, daB
mein Herz schneller schlagt.
8"Sie sind verwundet!" rufe ich, abeT noch mehr beunruhigt mich
die Faszination, die yon diesem hochgewachsenen jungen Mann
ausgeht und mich iiberkornrnt ein Geruhl, als hatte ich etwas
Unerlaubtes getan und meinen Mann Georg betrogen.
Ich sehe Juan nicken. "Ich muB gehen," sagt er mit Tauber Stimme.
Bevor er mich verlaBt, umarmt er mich fest und kiiBt mich auf
beide Wangen. "GruB an Georg."
Am Freitag beschlieBe ich, allein in die Javier-Menendez-Aus-
stellung zu gehen. Ich denke bei mil, falls Juan sich noch in del
Stadt befindet, kann ich ihn immer noch bitten, mich in die Aus-
stellung zu begleiten, bevor er die Stadt verlaBt. Das Thyssen-
Bomemisza-Museum liegt am nordlichen Ende del Paseo del Prado,
ich gehe an del Parkbank vorbei, auf del Juan immer gesessen hat,
heute ist sie jedoch leer, und ich ruble mich mutlos. In del In-
formationsabteilung des Museums keht jedoch mein Mut zuriick und
ich erkundige mich nach Juan.
"Wissen Sie, wo Don Juan del Alcala sich befindet?"
Saal 10, zweiter Stock, Gemaldesarnrnlung Javier Menendez," ant-
wortet die Museumsangestellte mit unbeteiligter Stimme.
Ich atme tier dUTCh. Offenbar ist er noch da, denke ich, sogar
im Raum mit den Gemalden yon Javier Menendez! Ich eile dUTCh
die einsamen und kiihlen Korridore, einige del Angestellten, die
mich schon kennell, lacheln mil zu, und ich denke, Juan ist am
elegantesten yon alIen gekleidet. Aber als ich den Saal 10 be-
trete, ist Juan nicht dolt, nUT eine Frau in schwarzer Dienstklei-
dung finde ich VOl. Wo ist Juan? Ich nahere mich del Frau und
stelle ihr die gleiche Frage wie del Angestellten in del Informa-
tionsabteilung.
"Wissen Sie ...Don Juan del Alcala ...er ..."
Die Frau nickt und zeigt auf die rechte Wand des Saales. Ich drehe
mich urn und schaue in die yon ihr angedeutete Richtung, An del
Wand erblicke ich ein groBformatiges Gemiilde, das einen gutaus-
sehenden Mann mit halbgeoffnetem weiBem Seidenhemd, del
lustlos an seinem Schreibtisch sitzt, zeigt. Seine Hemd ist offen,
seine Brust ist verletzt und blutet, ein Messer liegt in seiner
unmittelbaren Nahe auf dem FuBboden, an seiner Seite steht ein
weiBel Pekinese und sieht ihn mit ausdruckslosen Augen an. Am
Gemalderand stehen del Titel und eine kurze Erlauterung: El
Muerto Don Juan del Alcala, Der Tod des Don Juan del Alcala.
Javier Menendez, Barcelona, 1890-1955.
Ich bin sprachlos. Die Museumswarterin, die neben mil steht,
~ sagt:"Eigentlich mfiBte dieses Gemalde sich in ungerer stiindigen
Ausstellung befinden, abeT WiT haben unlangst einige absichtlich
vorgenommene Beschadigungen entdeckt, es wurde auch versucht,
das Gemalde zu stehlen. Daher haben wiT beschlossen, es restau-
rieren und es dann nach Barcelona zurUckbringen zu lassen."
Mein Gott, Juan!
Madrid, 13. Februar 2004






